Der Kunstmarkt 2017 und Ausblick 2018
11. März 2018

Wir nehmen es vorweg: Das Kunstjahr 2017 war solide und stabil. Und das, obwohl nach einer kleinen Konsolidierung im Jahr 2016 bereits die Unkenrufe vom Einbruch am Kunstmarkt ertönten. In der Tat fehlte es dem Markt zum Anfang des Jahres noch an Orientierung. Doch gab es am Jahresende 2017 ein Feuerwerk an Rekorden, die natürlich neben der medialen Brachialgewalt von Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“ kaum beachtet wurden.

Blenden wir diese also aus.

Auch im Jahr 2017 setzten sich die globalen Trends im Kunstmarkt fort:

  • Wir sehen im Hochpreissegment einen echten Verkäufermarkt
  • Die Nachfrage nach Werken hoher Qualität ist ungebrochen
  • In diesem Markt ist die Herausforderung Werke in Top Qualität zu finden, da viele Eigentümer nicht verkaufen wollen
  • Auktionsumsätze sind der Gradmesser des Marktes und die großen Auktionshäuser konnten ihre Verkaufszahlen im Vergleich zu 2016 erheblich steigern
  • Toplose werden in den USA verkauft
  • Topverkäufe laufen meist an Deutschland vorbei, sicherlich auch aufgrund des Kulturgutschutzgesetzes
  • Frankreich als Kunstmarktplatz erlebt eine Renaissance

Wie geht es in 2018 weiter? Solange in den Ländern mit der kaufkräftigen Klientel kein massiver wirtschaftlicher Einbruch zu verzeichnen ist, sehen wir aktuell nicht, warum negative Impulse den Kunstmarkt nachhaltig schwächen sollten. Diese wirken sich ohnehin in geringerem Maß auf das Hochpreissegment aus, da Kunst gerade in Krisen als Fluchtwährung fungiert.

Es fehlen andere attraktive Anlagemöglichkeiten, viel Kapital fließt in den Kunstmarkt

Luxus und Vermögensbildung verschmelzen sowieso immer mehr und der massiven Nachfrage steht ein immer begrenzteres Angebot gegenüber.

Regulierungswahn – Kulturschutzgesetz und Finanzmarktregulierung
2. März 2018

Es liegt auf der Hand, dass Marktteilnehmer, die bislang frei agieren konnten, eine Regulierung des Marktes nicht immer positiv sehen. So sieht auch die Haltung der meisten Akteure im Kunstmarkt gut ein Jahr nach dem Inkrafttreten des Kulturgutschutzgesetztes in Deutschland aus. Ist die Ablehnung gerechtfertigt?

Fakt ist: Kunstsammlungen haben zuhauf das Land verlassen und füllen nun Lager in unseren Nachbarländern, der administrative Aufwand für Kunsthändler und Galerien ist enorm und der Kauf oder die Verbringung von Kunst in und nach Deutschland ist für viele mit hohen Risiken und Unsicherheiten verbunden. Die ursprüngliche Intention, den illegalen Handel mit Kunstschätzen aus Kriegs- und Krisengebieten einzudämmen, ist notwendig und lobenswert. Unter dem Kulturgutschutzgesetz ächzt jedoch der gesamte deutsche Kunsthandel. Schmerzpunkte sind die schwammigen, teils widersprüchlichen Formulierungen des Anforderungsprofils. Wir ziehen einen Vergleich zur Banken- und Kapitalmarktregulierung. Die letzten zehn Jahre in der Finanzbranche sind eine „Regulierungsdekade“. Und auch hier sehen wir sinnvolle Grundideen zum Anlegerschutz, zum Risikomanagement und zur Kapitalausstattung in Banken, die allesamt in Gesetze gegossen wurden. Entstanden sind nun oft Bürokratiemonster. MiFID II beispielsweise wird die Banken Milliarden in der Umsetzung kosten. Eine Papierwelle überflutet Anleger. Und bei optimaler Umsetzung schützen die Gesetze noch am ehesten die Banken vor lästigen Anlegerschutzklagen.

Man sollte in diesem Zusammenhang jedoch nicht an eine Abschaffung des Kulturgutschutzgesetzes denken. Nötig ist eine Überarbeitung, eine Abschaffung unnötiger Auswüchse und eine Fokussierung auf die notwendigen Inhalte des Gesetzes: dem Schutz nationaler Kulturgüter vor dem illegalen Handel und die erhöhten Sorgfaltspflichten bei der Identifikation von Käufern und Verkäufern im Kunsthandel.

 

Die angekündigte und notwendige Evaluierung des Gesetzes steht noch aus.

TRUFFLE’S MARKET VIEW
8. August 2017

Blickt man auf die Marktentwicklung im Superkunstjahr 2017, zeigt sich ein eindeutig positives Bild: Die Händler und Galeristen meldeten starke Verkäufe auf den großen Messen .Die Londoner Juni Versteigerungen der führenden Auktionshäuser reüssierten ebenfalls mit im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegenen Gesamtumsätzen.

Hohe Verkaufsquoten von oft über 90% sind ein Indikator für die Stärke und Stabilität des Marktes genauso wie neue Auktionsrekorde für Künstler wie Kandinsky. Hervorzuheben ist ein neuer Rekord für das marktfrische Max Beckmann Gemälde „Hölle der Vögel“ aus den Jahren 1937/38, das für 36m Pfund versteigert wurde und damit einen neuen Rekord für ein Werk des deutschen Expressionismus setzte. Auch Beckmanns eigener Rekord von 22,5m Dollar für sein durchdringendes „Selbstbildnis mit Horn“ (1937) wurde weit übertroffen.
Somit konnten nach schwächeren Umsätzen im vergangenen Sommer alle Londoner Häuser positive Signale setzen.

Wie sieht es auf dem zweiten Megakunstmarkt jenseits des Atlantiks in New York aus?
In den Jahren bis 2015 steigerten sich die Verkaufspreise von Rekord zu Rekord, bis sich diese Entwicklung im Jahr 2016 abschwächte. Dies lag weniger an der Nachfrageseite als vielmehr an der Angebotsseite an wirklich Hochkarätigem. Doch es scheint, dass sich diese Verkaufszurückhaltung durch die erzielten Rekordpreise und soliden Ergebnisse auf den Herbstauktionen 2016 gelegt hat. Die Mai-Auktionen 2017 glänzten mit Höchstpreisen für begehrte Masterpieces. Dies gilt insbesondere für die Ikonen der amerikanischen Nachkriegskunst und den überragenden Rekord für Jean Michel Basquiats „Untitled“ aus dem Jahr 1982, das mit 110m$ zum teuersten Werk eines amerikanischen Künstlers avancierte.
Insofern eine glänzende Aufwärmübung für die Herbstauktionen in New York und London, wenn die wirklichen Toplose versteigert werden.

Welche Schlüsse ziehen wir daraus?
Der Kunstmarkt ist gesund und zieht neue Sammler und Käufernationen an. Aus Asien kommt massives Interesse an europäischer Kunst und besonders am deutschen Expressionismus. Auch andere Marktteilnehmer profitieren. Auktionshäuser zum Beispiel richten ihren Fokus verstärkt nach Asien und auf Onlineauktionen.
In beiden Bereichen wächst die Käuferschaft rasant und befeuert die Preise für das knappe Angebot.

Dies ist kein Wunder, blickt man auf die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten: Mario Draghi hat in den letzten Monaten wiederholt festgestellt, dass sich die Wirtschaft in der Euro-Zone nachhaltig festigt und erholt. Dennoch hat die EZB noch nicht mit der Aufbauarbeit nach dem „Draghigate“ begonnen und die Anleihekäufe eingeschränkt oder die Zinsen erhöht. Damit ist frühestens im September dieses Jahres zu rechnen.
Geld für den Kunstmarkt ist also vorhanden.

In Deutschland hat man ein Jahr nach Inkrafttreten des Kulturgutschutzgesetzes eine erste Zwischenbilanz gezogen: Viel Bürokratie aber weniger schlimm als erwartet ist der Grundtenor bei öffentlichen Institutionen. Auf der anderen Seite leiden die Akteure im Kunstgeschehen unter dem Aderlass des Marktes, einem Zuviel an Dokumentationsanforderungen und letztendlich wieder einmal gestiegenen Kosten.

Insgesamt läuft alles auf eine wachsende Transparenz für Kunsttransaktionen und die Akteure hinaus. Seit Juni gelten in Deutschland neue Geldwäsche-Richtlinien, die vom Kunsthandel erhöhte Sorgfaltspflichten erfordern. Hierzu werden wir in unseren nächsten Newsletter Ausgaben berichten.

TRUFFLE ON TOUR
8. August 2017

TRUFFLE ART ADVISORY ist auch in diesem Jahr auf den wichtigen Kunstmessen und Events. Am Puls der Zeit zu sein, die Fühler auszustrecken, Kunsttendenzen zu erspüren und Preisentwicklungen zu verfolgen sind dabei wichtige Motivatoren, aber auch viele zu treffen und zu begleiten: Sammler, Aussteller, Künstler, Museumsfachleute und Kooperationspartner. Darüber hinaus wurden wieder neue Kontakte geknüpft und langfristige Projekte angebahnt.

Ein wichtiger Auftakt dieser Saison war die TEFAF in Maastricht. Die weltweit größte Messe für bildende Kunst und Kunsthandwerk von der Antike bis in die Gegenwart überzeugte in ihrer Vielfalt; der Schwerpunkt liegt nach wie vor im Bereich der älteren Kunst. Auch die älteste Kunstmesse, die ART COLOGNE, versammelte rund 200 renommierte Galerien mit qualitativ hochwertigen Arbeiten unterschiedlicher Preissegmente von über 200 Künstlern. Aufgrund der qualitätsvollen Preziosen ist es kein Wunder, dass während der Preview-Tage jeweils sowohl sehr potente, erfahrene Sammler, als auch Debütanten und natürlich Kollegen aus Museen mit internationaler Strahlkraft unter den VIP-Gästen weilten.

Der sogenannte Kunstsommer ist geprägt von wichtigen Kunstausstellungen, angefangen bei der weltbekannten BIENNALE von Venedig. Die Frankfurter Künstlerin Anne Imhof hat dort den deutschen Pavillon in ein Gesamtkunstwerk verwandelt und damit den diesjährigen Goldenen Löwen gewonnen. Die SKULPTUR PROJEKTE Münster verwandeln die Stadt temporär in ein Freilichtmuseum und laden ein ungewohnte Perspektiven einzunehmen und die Verbindungen von Kunst und öffentlichem Raum zu hinterfragen. Die DOCUMENTA in Kassel, gehört zu den bedeutendsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und ist dieses Jahr unter der künstlerischen Leitung von Adam Szymczyk erstmals auch mit einer Dependance in Athen präsent, um Sehnsucht und Ferne in der aktuellen Kunst zu thematisieren.
Einer der Höhepunkte war im Juni die ART BASEL, die Ihren Rang als weltweit wichtigste Messe für die Kunst des 20. Jahrhunderts auch dieses Jahr verteidigt hat. Das Format Unlimited hat sich bewährt und zeigt qualitätsvolle Museumsstücke u.a. der beliebten ZERO-Art.

Auffallend ist die ansteigende Präsenz asiatischer Interessenten. In unserem digitalen Zeitalter ist ein Hang zur zunehmenden Verkörperung von Kunst und ein Trend hin zu altbewährten Techniken und handwerklichen sinnlichen Objekten auszumachen.

Die Welt scheint global vereint. Und längst hat sich Kunst als Lifestyle etabliert. Kunst ist eben so viel mehr als nur ein überzeugender Vermögenswert und wird immer selbstverständlicher Teil des individuellen Lebens und der Gesellschaft. Kunst ist und bleibt ein Wertespeicher: emotional, sinn- und identitätsstiftend und TRUFFLE ART ADVISORY ist Ihr Navigator im Kunstmarkt.